Ayse bleibt!

H&M erliegt öffentlichem Druck

Ayse bleibt!

Für die Beschäftigten der Heilbronner H&M-Filiale in der Stadtgalerie können endlich aufatmen: Nach monatelangem Kampf hat der schwedische Modekonzern dem zunehmenden öffentlichen Druck nachgegeben.

Angeheizt wurde der Konflikt zuletzt durch die Tatsache, dass der inzwischen ehemalige Filialleiter von Ayse scheinbar nicht bereit war, für H&M unter Eid die Unwahrheit zu sagen. Somit konnte die Unternehmensleitung nicht länger bestreiten, dass es die Zusage zur Weiterbeschäftigung von Ayse jemals gab.

Unzählige Solidaritätsaktionen und kritische Berichterstattung begleiteten die Auseinandersetzung der Beschäftigten mit ihrem Arbeitgeber um den Erhalt des Arbeitsplatzes ihrer Betriebsratsvorsitzenden. Und die KollegInnen von Ayse mussten dabei einiges einstecken. Denn um nicht zuzugeben, dass Ayses Arbeitsverhältnis aufgrund ihrer Betriebsratstätigkeit beendet wurde, unterließ H&M dringend notwendige Neueinstellungen. Die dadurch herbeigeführte Überlastung der Beschäftigten und die damit verbundene gesundheitliche Gefährdung nahm das Unternehmen billigend in Kauf. Fürsorgepflicht geht anders!

Die wachsende öffentliche Empörung bekam der Textilkonzern auch am Umsatz zu spüren. Verglichen zum Vorjahr gestaltete sich dieser in der Heilbronner Filiale rückläufig. Um diesem Negativtrend entgegen zu steuern, blieb dem milliardenschweren Schweden nichts anderes übrig, als Ayse weiter zu beschäftigen. Entgegen allen Erwartungen! Denn überlicherweise versucht H&M solche Konflike auszusitzen und lässt vorzugsweise die Gerichte entscheiden.

Während sich der um Ayse gebildete Kampagnenrat der weiteren Aktionsplanung hingab, um den Druck auf das Unternehmen weiter zu erhöhen, wurde Ayse von der neuen Storemanagerin überrascht, als diese sie plötzlich um ein Gespräch bat. Darin wurde Ayse unter anwesenden Zeugen die geforderte Weiterbeschäftigung angeboten. Diese solle nahtlos an das alte Arbeitsverhältnis angehängt werden. Über dieses Angebot wurde nun ein gerichtlicher Vergleich geschlossen.

Der plötzliche Kurswechsel von H&M wurde jedoch nur dank einer Vielzahl von Menschen möglich, die sich entschlossen und solidarisch für Ayse eingesetzt haben. In ihrem Namen danken wir Euch sehr für dieses glückliche und erfolgreiche Ende eines Kampfes gegen Ungerechtigkeit und Willkür!

Arbeitsgericht Heilbronn weist einstweilige Verfügung zurück!

Der Antrag von der Gewerkschaft ver.di, dass Ayse bis Prozessende des Hauptverfahrens weiterbeschäftigt werden muss, wurde in der gestrigen Verhandlung am 13.08.2014, vom Arbeitsgericht Heilbronn zurückgewiesen.

Die vorsitzende Richterin, Katrin Stapelfeldt, verkündete gegen Ende des Arbeitstages, dass sie den Antrag auf einstweilige Verfügung zurückweise. Die Begründung hierfür liegt jedoch noch nicht vor.

Auch gestern erfuhr, die vorerst ehemalige Betriebsratsvorsitzende der H&M Filiale in der Stadtgalerie, vollste Solidarität. Trotz der Urlaubszeit und des Termins am Vormittag, erschienen rund 20 UnterstützerInnen und SympathisantInnen von Ayse, und bekundeten erneut vor dem Arbeitsgericht ihren Protest gegenüber der Geschäftsleitung von H&M. Der Saal war, wie auch in der letzten Verhandlung am 25.07.2014, komplett überfüllt.

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Leider nutzte dieser Rückhalt und Zuspruch nichts, denn nach nur 16 Minuten wurde die Verhandlung von der Vorsitzenden für beendet erklärt. Die anwesenden Zuschauer, als auch die Betriebsrätin und ihre Anwältin Sonja Städele wirkten irritiert, da es, wie eine Gewerkschaftssekretärin anschließend formulierte, keine „richtige Verhandlung“ gegeben habe. Diesen Eindruck hatten wohl alle Anwesenden.

Denn nach einer kurzen Aufnahme des Sachverhalts durch die Vorsitzende, wurden beide Parteien nach ihrer Verhandlungsbereitschaft gefragt. Ayses Anwältin, die in Vertretung für den verhinderten Rechtsanwalt Alexander Roth anwesend war, bekundete diese. Hingegen die Anwältin der H&M-Geschäftsleitung, Isabel Haug, keinerlei Kompromissbereitschaft zeigte. Anschließend erklärte die Vorsitzende die Verhandlung für beendet und erklärte, dass das Urteil am Ende des Arbeitstages verkündet werden würde.

Sollte die Begründung des Urteils es zulassen, werden die Gewerkschaft ver.di und Ayse in Beschwerde gehen, somit würde der Antrag auf einstweilige Verfügung vor der zweiten Instanz, dem Landesarbeitsgericht in Stuttgart, verhandelt werden.

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Trotz allem ist es wichtig, dass Ayse auch weiterhin unsere vollste Unterstützung erhält, denn der Kampf geht für sie weiter! Aus diesem Grund bitten wir Euch, Euch auch weiterhin an Aktionen zu beteiligen.

Danke für Eure Unterstützung!

Bundesweite Aktionen für Betriebsräte!

Erneut wurden in H&M-Filialen Aufkleber mit der Beschriftung “STOP! Bekämpfung von Betriebsräten bei H&M!” aufgefunden. Bundesweit!

T-Shirt mit Aufkleber

Eine weitere Aktion fand vor der Stadtgalerie Heilbronn für die Betriebsrätin Ayse statt, denn der Boden vor dieser wurde mit dem Aufruf „AYSE BLEIBT!“ beschriftet!

Ayse bleibt! Stadtgalerie Heilbronn

Diese bundesweiten Aktionen sollen wohl zeigen, dass die Bekämpfung von Betriebsräten bei H&M von vielen BürgerInnen nicht toleriert werden.
Auch die Beschriftung vor der Stadtgalerie, in der die Betriebsratsvorsitzende bis Ende Juli beschäftigt war, zeigt der Geschäftsleitung von H&M deutlich, was die BürgerInnen von der Nicht-Weiterbeschäftigung der Betriebsrätin Ayse halten!

Ayse muss weiterbeschäftigt werden! ver.di ruft erneut zum Protest vor dem Arbeitsgericht Heilbronn auf.

Am Mittwoch, den 13.08.2014 um 10.30 Uhr vor dem Arbeitsgericht Heilbronn, Paulinenstr. 18, findet die Protestaktion statt.

Die Verhandlung beginnt nicht mehr um 9.00 Uhr sondern wurde auf 11.00 Uhr verschoben!

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Die Gewerkschaft ver.di will durch eine einstweilige Verfügung, die Weiterbeschäftigung von Ayse bei H&M bis Prozessende der Entfristungsklage, durchsetzen.
Der Kammertermin für die Entfristungsklage findet erst am 11. November 2014 statt, wodurch Ayse in dieser Zeit nicht die Möglichkeit bekommen würde, weiterhin für ihre KollegInnen in der Heilbronner Stadtgalerie Filiale kämpfen zu können.

Durch die einstweilige Verfügung könnte jedoch ihre Weiterbeschäftigung bis Prozessende gewährleistet werden!
Aus diesem Grund ruft die Gewerkschaft ver.di, alle ArbeitnehmerInnen aller Branchen und alle BürgerInnen auf, Ayse auch an diesem Tag beizustehen, denn sie benötigt auch weiterhin unsere vollste Unterstützung!

Kommt alle am Mittwoch zum Arbeitsgericht Heilbronn!
Um 10.30 beginnt die Protestaktion, danach die Verhandlung um 11.00 Uhr!

H&M: Union Busting auf dem Vormarsch

Artikel von Jessica Reisner von arbeitsunrecht.de vom 07.08.2014

H&M Heilbronn: Hände weg von unserem Betriebsrat!

H&M Belegschaft steht solidarisch zur Betriebsratsvorsitzenden

Die Kolleginnen stehen fest hinter ihrer Betriebsrätin Ayse, deren Vertrag nicht verlängert werden soll (Bild ver.di)

H&M-Verantwortliche scheinen aus dem Imageschaden, der durch die Kündigung des Betriebsratsvorsitzenden Damiano Q.  in Trier entstanden ist, nichts gelernt zu haben. Nimmt man ältere Berichte über die Schwierigkeiten bei Betriebsratswahlen und -arbeit (Frontal 21 März 2006) und Fälle, wie die Beendigung der Arbeitsverhältsnisse zweier Betriebsratsmitglieder in Augsburg (Spiegel online vom 28.02.2008) und das Amtsenthebungsverfahren gegen den fünfköpfigen Betriebsrat einer Berliner Filiale (Spiegel online 07.08.2011) hinzu, wird deutlich, dass sich die H&M Geschäftsleitung gerade zielstrebig als Union-Buster profiliert. Nun brodelt es auch bei H&M in Heilbronn, weil der Vertrag der bisher befristet beschäftigten Betriebsratsvorsitzenden Ayse (so der Vorname der Betroffenen), trotz vorheriger mündlicher Zusage, nicht verlängert wird. Dabei gibt es für eine Nichtverlängerung des Vertrages laut Ver.di-Sekretär Thomas Müssig keinen Grund: Ayse wurde von Vorgesetzten stets eine gute Arbeitsleistung bescheinigt und Personalüberschuss gibt es in der Heilbronner Filiale auch nicht.

Schon vor der Wahl im August 2013 kam reichlich Unruhe auf. Kolleginnen sollten in Einzelgesprächen von der Wahl abgebracht werden, Führungskräfte ließen sich selbst zur Wahl aufstellen. Bei der Betriebsratswahl kam es zum Eklat, weil der inzwischen ersetzte Fililalleiter einen ver.di-Wahlbeobachter per Polizei des Hauses verweisen wollte. Im nächsten Schritt wurde die Wahl von Arbeitgeberseite wegen eines Formfehlers angefochten. Der Betriebsrat unterlag in erster Instanz und legte Beschwerde beim Landesarbeitsgericht ein. Vor dem Güte-Termin einigte man sich außergerichtlich durch einen Vergleich. Durch seinen Rücktritt konnte der Betriebsrat Neuwahlen auslösen, bei der Ayse am 17.07.2014 über 70% der Stimmen erhielt (Team Ayse). Bei der konstituierenden Sitzung des Betriebsrats am 21.07.2014 wurde Ayse einstimmig zur Betriebsratsvorsitzenden gewählt. Zwei Tage später, am 23.07.2014 lief Ayses befristeter Vertrag aus.

Trotz der enormen Widerstände konnte der Betriebsrat in kurzer Zeit viel erreichen. Thomas Müssig zählt auf, dass die Dienstpläne verbindlicher seien und die Arbeitseinteilung gerechter geworden ist. Außerdem habe der Betriebsrat bessere Arbeitszeitregelungen für Eltern und Alleinerziehende, mehr Arbeitsstunden für Teilzeitbeschäftigte, Höhergruppierungen und die Zahlung einer tariflichen Sozialzulage durchgesetzt. Ayse hat auf Weiterbeschäftigung geklagt. Von Seiten der Belegschaft gibt es eine große Welle der Solidarität.

Der Güte-Termin am 25.07.2014 scheiterte trotzdem. Laut Labournet standen Annette Zippel und Andrea Denzer als neue H&M-Store-Managerinnen der Heilbronner Filiale vor Gericht knallhart zu der Entscheidung, dass Ayses Vertrag nicht verlängert werden soll. Als aggressiver Dienstleister auf Arbeitgeberseite zeigte Anwältin Isabel Haug von DLA Piper null verhandlungsbereitsschaft. Die Schriftsätze der Kanzlei DLA Piper verfasst in dieser Sache jedoch Anwalt Volker von Alvensleben. Volker von Alvensleben ist auch im Kündigungsverfahren gegen Damiano Q. für H&M aktiv. Die Kanzlei DLA Piper, “business law firm” mit “full service”, ist mit 4.300 Anwälten und Kanzleien in über 30 Ländern gegenwärtig eine der größten Kanzleien der Welt. Bei Beck-Community wird erwähnt, dass DLA Piper und im speziellen Volker von Alvensleben (Nomos) H&M schon seit langem berät und vertritt.

Als Termin für die nächste Verhandlung wurde der 13.08.2014, 09:00 Uhr, vor dem Heilbronner Arbeitsgericht anberaumt. Hier wird über die einstweilige Verfügung entschieden, ob Ayse weiter arbeiten darf, bis am 11.11.2014 über die Entfristungklage entschieden wird. Aufrufe zu solidarischen Aktionen finden sich auf der ver.di-Seite “Team Ayse”.

Aktuelle Infos finden sich auch in den Posts der facebook-Gemeinschaft H&M Betriebsräte unterstützen.

Quelle: arbeitsunrecht.de

H&M bleibt knallhart

Die Güteverhandlung vor dem Heilbronner Arbeitsgericht am 25.07.2014 brachte kein Ergebnis

H&M vertreten durch gleich zwei Filialleiterinnen, Annette Zippel und Andrea Denzer, und einer Anwältin aus der Arbeitgeberkanzlei DLA Piper, hielten eisern an der Beendigung des befristeten Arbeitsverhältnisses der Betriebsratsvorsitzenden Ayse fest.  Selbst die signalisierte Kompromissbereitschaft der Betriebsrätin und die Vermittlungsversuche des Gerichts ließen die Vertreterinnen der Arbeitgeberseite kalt. Und das obwohl die Atmosphäre im Gerichtssaal nicht nur klimatisch erdrückend war. Rund 50 TeilnehmerInnen, davon viele ArbeitskollegInnen von Ayse, haben sich vor der Verhandlung zu einer Solidaritätskundgebung versammelt und lautstark vor dem Gerichtsgebäude protestiert.

In seiner Rede verurteilte der Heilbronner Gewerkschaftssekretär von ver.di, Thomas Müssig, die betriebsratsfeindlichen Praktiken des Textilkonzerns als „Union Busting“.„Diese Methoden stellen einen Angriff auf unsere demokratischen Grundrechte dar und dürfen keine Schule machen“, warnte der Gewerkschafter. Zahlreiche Solidaritätserklärungen folgten. Darunter auch vom Gesamtbetriebsrat von H&M, der verdi Jugend und der Partei DIE LINKE.

Unmittelbar vor der Verhandlung spitzte sich die Lage zu als Verdi-Sekretär Müssig den Arbeitgebervertreterinnen eine Sammlung von rund 2200 Unterschriften überreichte, die innerhalb kürzester Zeit gesammelt wurden. Er kündigte weitere Aktionen an, solange H&M am derzeitigen Kurs festhalte. Dafür erntete er tosenden Beifall von den Zuschauern des völlig überfüllten Saals.

Dagegen lieferten die beiden Filialleiterinnen eine äußerst peinliche Vorstellung ab. Während die Betriebsrätin alle Fragen ausführlich und präzise beantworten konnte, wussten die Filialleiterinnen noch nicht einmal die genaue Anzahl der Beschäftigten ihrer Filiale. Sie brachten es auch während der gesamten Verhandlung nicht über sich, der gegenüber sitzenden Betriebsrätin in die Augen zu sehen. Dem Zuschauer entzog sich der Eindruck, dass beide Parteien im selben Betrieb arbeiten.

Ein Urteil des Gerichts wird an der nächsten Verhandlung, die nach den Sommerferien stattfinden wird, erwartet. Derweil versucht ver.di die Weiterbeschäftigung der Betriebsrätin im Wege der einstweiligen Verfügung durchzusetzen. Als Termin für diese Verhandlung wurde der 13.08.2014, 09:00 Uhr vor dem Heilbronner Arbeitsgericht anberaumt.

Bitte organisiert und beteiligt Euch auch weiterhin an Aktionen. Überall wo es H&M-Filialen gibt. Denn wir können es nicht hinnehmen, dass eines unserer Mitglieder aufgrund ihres Engagements in einer demokratisch legitimierten Interessenvertretung ihren Arbeitsplatz verliert. Jede/r könnte die/der Nächste sein!

Danke für Eure bisherige und weitere Unterstützung!DSC_7529 DSC_7530

 

Ayse muss bleiben! ver.di ruft zu Protestaktion vor dem Arbeitsgericht auf

Am Freitag, 25.07.2014: Auf nach Heilbronn zum Arbeitsgericht! Paulinenstraße 18. Kundgebung ab 14 Uhr. Gerichtsverhandlung ab 15 Uhr. Deine Unterstützung zählt!

H&M ist in der Vergangenheit wiederholt durch betriebsratsfeindliche Aktivitäten aufgefallen.Hierzu zählen Mobbing, Schikanen, Kündigungen oder Amtsenthebungen von Betriebsratsmitgliedern. H&M verhindert und behindert demokratische Strukturen im Betrieb und bekämpft diese, da kritische Meinungsbildung nicht erwünscht ist. Es fällt auf, dass H&M systematisch und methodisch gegen Betriebsräte vorgeht, und sich hierbei von Elementen des „Union Busting“ bedient.

Die Betriebsrätin Ayse ist seit 2012 in der H&M Filiale in der Stadtgalerie Heilbronn beschäftigt.Im August 2013 wurde sie in den erstmals gegründeten Betriebsrat gewählt und seit März 2014 ist sie die Betriebsratsvorsitzende. Sie engagiert sich sehr für ihre KollegInnen. Außerdem beteiligte sich Ayse als engagierte Gewerkschafterin an den erfolgreichen Kämpfen der Gewerkschaft ver.di gegen massive Verschlechterungen des Tarifvertrags.

Zu den Erfolgen des Betriebsrats der H&M Filiale zählen sowohl Entfristungen mehrerer befristeter KollegInnen als auch soziale Arbeitszeitregelungen, vor allem für die beschäftigten Mütter in der Filiale. Die vielen und vor allem großen Erfolge des Betriebsrats innerhalb kürzester Zeit, scheinen H&M sehr zu stören, weshalb der Betriebsrat durch die Entlassung seiner Vorsitzenden erheblich geschwächt und zum Schweigen gebracht werden soll.

Aus diesem Grund ruft die Gewerkschaft ver.di, Arbeitnehmer aller Branchen und alle Bürger auf, dieses skandalöse Verhalten von H&M aufs schärfste zu verurteilen und sich der Beedigung des Arbeitsverhältnisses der Betriebsratsvorsitzenden der Heilbronner Filiale von Hennes & Mauritz entgegenzustellen.

Am kommenden Freitag, 25.07.2014, findet eine Verhandlung vor dem Heilbronner Arbeitsgericht statt, um festzustellen, dass das befristete Arbeitsverhältnis der Betriebsrätin nicht durch Ablauf der Befristung geendet hat. Zudem versucht die Arbeitnehmervertreterin mit Unterstützung von ver.di einen  Weiterbeschäftigungsanspruch per einstweilige Verfügung durchzusetzen, um ihr Amt als Betriebsrat weiterhin wahrnehmen zu können.

Kommt alle am Freitag zum Arbeitsgericht nach Heilbronn!

Die Kundgebung beginnt ab 14 Uhr.

Danach Verhandlung ab 15 Uhr.

 

Fall Ayse sorgt für zunehmende Öffentlichkeit

Artikel aus der „Junge Welt“ vom 22.07.2014

Betriebsrätin soll gehen

Ver.di-Jugend protestiert für Weiterbeschäftigung: In
Ver.di-Jugend protestiert für Weiterbeschäftigung: In einer Heilbronner Filiale der Modekette Hennes & Mauritz soll der Vertrag einer Betriebsrätin nicht verlängert werden (Heilbronn, 3.7.2014)

Hennes & Mauritz will eine konsequente Belegschaftsvertreterin loswerden. So jedenfalls sieht es die Gewerkschaft ver.di, die eine Solidaritätskampagne für die Betriebsratsvorsitzende einer Heilbronner Filiale der Textilkette gestartet hat. Ihr befristeter Arbeitsvertrag läuft am Donnerstag aus und soll nicht verlängert werden, obwohl das zuvor mündlich zugesagt wurde. »An diese Zusage kann sich plötzlich niemand mehr erinnern«, berichtete ver.di-Sekretär Thomas Müssig vergangene Woche gegenüber junge Welt. Für ihn ist klar: Ayse, wie die Betroffene mit Vornamen heißt, soll wegen ihres Engagements in Gewerkschaft und Betriebsrat geschaßt werden.

»Für die Nichtverlängerung des Vertrags gibt es keinen Grund – jedenfalls keinen anderen als Ayses Einsatz für die Belegschaft«, betonte Müssig. Stets sei ihr von Vorgesetzten eine gute Arbeitsleistung bescheinigt worden. Und Personal werde in der Filiale in der Heilbronner Stadtgalerie dringend gebraucht. Es werde aber niemand eingestellt, damit sich Ayse nicht auf die angebotene Stelle bewerben kann, ist der Gewerkschafter überzeugt. »Das heißt, das Unternehmen nimmt die Überlastung der Belegschaft in Kauf, nur um Ayse aus dem Betrieb zu kriegen.«

In der Tat sprechen die Vorfälle der vergangenen Monate für diese These. Nur unter großen Schwierigkeiten hatten die H&M-Beschäftigten in der Heilbronner Stadtgalerie im August vergangenen Jahres erstmals einen Betriebsrat gewählt. Zunächst habe das Management in Einzelgesprächen versucht, die Kollegen von der Wahl abzubringen, sagte Müssig. Als das nicht fruchtete, hätten sich alle wählbaren Führungskräfte ebenfalls aufstellen lassen, wodurch eine Personenwahl verhindert wurde, da einige Beschäftigte nicht ein- und denselben Wahlvorschlag mit den Führungskräften stehen wollten.

Zu einem Eklat kam es am Tag der Abstimmung selbst: Die Geschäftsleitung wollte einen Wahlbeobachter der Gewerkschaft des Hauses verweisen und rief die Polizei. Ver.di beharrte auf dem Zugangsrecht zum Betrieb und schaltete den H&M-Gesamtbetriebsrat ein. Schließlich sorgte die Hamburger Deutschland-Zentrale der Textilhandelskette dafür, daß der Gewerkschafter – selbst Betriebsrat einer Stuttgarter H&M-Filiale – bleiben konnte. Die Liste, auf der auch Ayse kandidierte, entschied die Wahl klar für sich.

Doch die Betriebsratsgegner gaben keine Ruhe. Sie reichten eine Klage auf Wahlanfechtung ein und argumentierten mit Formfehlern – von denen paradoxerweise die Liste der Führungskräfte profitiert hatte. Nach einer Niederlage in erster Instanz legte der Betriebsrat beim Landesarbeitsgericht Beschwerde ein. Zu einem rechtskräftigen Urteil kam es nicht, da sich beide Seiten im Vorfeld des Gerichtstermins gütlich einigten.

»Die Unternehmensleitung hat dem Betriebsrat von Anfang an Steine in den Weg gelegt«, kritisierte Müssig. Viele seiner grundlegenden Rechte habe sich das Gremium erst langwierig erkämpfen müssen. Selbst gegen öffentliche Beschimpfungen und Beleidigungen von Betriebsratsmitgliedern sei das Management nicht eingeschritten. »Wenn jemand zu spät kommt, gibt es sofort eine Abmahnung. Da wird durchgegriffen, aber wenn es um die Rechte des Betriebsrats geht, rührt das Management keinen Finger«, so der ver.di-Mann.

Trotz der Widrigkeiten hat der Betriebsrat einiges für die Beschäftigten erreicht. Die Dienstpläne seien verbindlicher, die Arbeitseinteilung gerechter geworden, berichtete Müssig. Außerdem habe der Betriebsrat bessere Arbeitszeitregelungen für Eltern und Alleinerziehende, mehr Arbeitsstunden für Teilzeitbeschäftigte, Höhergruppierungen und die Zahlung einer tariflichen Sozialzulage durchgesetzt. »Der Betriebsrat hat in kurzer Zeit viel für die Kolleginnen und Kollegen erreicht – genau das ist dem Arbeitgeber offenbar ein Dorn im Auge.«

Das Unternehmen wollte sich auf jW-Nachfrage mit Verweis auf ein laufendes Verfahren nicht zu dem Fall äußern. Eine Sprecherin teilte lediglich mit, von den rund 400 Filialen hätten 113 einen Betriebsrat: »Die Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und Unternehmen ist in der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle vertrauensvoll und konstruktiv, denn H&M schätzt engagierte Betriebsräte.«

Ver.di-Sekretär Müssig – der selbst jahrelang bei H&M als Betriebsrat tätig war – sieht das anders. In der Vergangenheit sei das Unternehmen immer wieder durch einen harschen Umgang mit engagierten Beschäftigtenvertretern aufgefallen. Auch die Nichtverlängerung von Ayses Vertrag sieht er in diesem Zusammenhang. »Das war offensichtlich eine politische Entscheidung von oben«, ist der Gewerkschafter überzeugt. Für Ayses Klage auf Weiterbeschäftigung sieht er recht gute Chancen. So habe das Bundesarbeitsgericht kürzlich in einem ähnlichen Fall entschieden, daß das Auslaufen des befristeten Arbeitsvertrags aufgrund des Engagements im Betriebsrat eine unzulässige Benachteiligung darstelle. Anders als bei einer Kündigung liegt die Beweislast allerdings nicht beim Unternehmen, sondern bei der Beschäftigten.

Gütetermin am Freitag, dem 25. Juli um 15 Uhr, Arbeitsgericht Heilbronn, Paulinenstr. 18

Ayse wiedergewählt!

Die Belegschaft der Heilbronner H&M-Filiale in der Stadtgalerie hat ein deutliches Zeichen gesetzt: Ayse erhielt über 70 Prozent aller abgegebenen Stimmen und wurde darüber hinaus in ihrem Amt als Vorsitzende bestätigt. Der Rückhalt ihrer Kolleginnen und Kollegen ist damit so stark wie nie zu vor. Eine große Schlappe für H&M, die nach wie vor versuchen, die Betriebsrätin loszuwerden.

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Aktionen erreichen Aschaffenburg am Untermain

Die Solidaritätskampagne um die Entlassung der Betriebsratsvorsitzenden der Heilbronner H&M-Filiale erreicht die Stadt Aschaffenburg am Untermain. Dort haben Grundschulkinder vor der City-Galerie, in der H&M eine weitere Filiale unterhält, Unterschriften für die Weiterbeschäftigung der Arbeitnehmervertreterin gesammelt. Das ist gelebte Zivilcourage, von der sich manche Erwachsene ein fette Scheibe abschneiden können!

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