H&M: Union Busting auf dem Vormarsch

Artikel von Jessica Reisner von arbeitsunrecht.de vom 07.08.2014

H&M Heilbronn: Hände weg von unserem Betriebsrat!

H&M Belegschaft steht solidarisch zur Betriebsratsvorsitzenden

Die Kolleginnen stehen fest hinter ihrer Betriebsrätin Ayse, deren Vertrag nicht verlängert werden soll (Bild ver.di)

H&M-Verantwortliche scheinen aus dem Imageschaden, der durch die Kündigung des Betriebsratsvorsitzenden Damiano Q.  in Trier entstanden ist, nichts gelernt zu haben. Nimmt man ältere Berichte über die Schwierigkeiten bei Betriebsratswahlen und -arbeit (Frontal 21 März 2006) und Fälle, wie die Beendigung der Arbeitsverhältsnisse zweier Betriebsratsmitglieder in Augsburg (Spiegel online vom 28.02.2008) und das Amtsenthebungsverfahren gegen den fünfköpfigen Betriebsrat einer Berliner Filiale (Spiegel online 07.08.2011) hinzu, wird deutlich, dass sich die H&M Geschäftsleitung gerade zielstrebig als Union-Buster profiliert. Nun brodelt es auch bei H&M in Heilbronn, weil der Vertrag der bisher befristet beschäftigten Betriebsratsvorsitzenden Ayse (so der Vorname der Betroffenen), trotz vorheriger mündlicher Zusage, nicht verlängert wird. Dabei gibt es für eine Nichtverlängerung des Vertrages laut Ver.di-Sekretär Thomas Müssig keinen Grund: Ayse wurde von Vorgesetzten stets eine gute Arbeitsleistung bescheinigt und Personalüberschuss gibt es in der Heilbronner Filiale auch nicht.

Schon vor der Wahl im August 2013 kam reichlich Unruhe auf. Kolleginnen sollten in Einzelgesprächen von der Wahl abgebracht werden, Führungskräfte ließen sich selbst zur Wahl aufstellen. Bei der Betriebsratswahl kam es zum Eklat, weil der inzwischen ersetzte Fililalleiter einen ver.di-Wahlbeobachter per Polizei des Hauses verweisen wollte. Im nächsten Schritt wurde die Wahl von Arbeitgeberseite wegen eines Formfehlers angefochten. Der Betriebsrat unterlag in erster Instanz und legte Beschwerde beim Landesarbeitsgericht ein. Vor dem Güte-Termin einigte man sich außergerichtlich durch einen Vergleich. Durch seinen Rücktritt konnte der Betriebsrat Neuwahlen auslösen, bei der Ayse am 17.07.2014 über 70% der Stimmen erhielt (Team Ayse). Bei der konstituierenden Sitzung des Betriebsrats am 21.07.2014 wurde Ayse einstimmig zur Betriebsratsvorsitzenden gewählt. Zwei Tage später, am 23.07.2014 lief Ayses befristeter Vertrag aus.

Trotz der enormen Widerstände konnte der Betriebsrat in kurzer Zeit viel erreichen. Thomas Müssig zählt auf, dass die Dienstpläne verbindlicher seien und die Arbeitseinteilung gerechter geworden ist. Außerdem habe der Betriebsrat bessere Arbeitszeitregelungen für Eltern und Alleinerziehende, mehr Arbeitsstunden für Teilzeitbeschäftigte, Höhergruppierungen und die Zahlung einer tariflichen Sozialzulage durchgesetzt. Ayse hat auf Weiterbeschäftigung geklagt. Von Seiten der Belegschaft gibt es eine große Welle der Solidarität.

Der Güte-Termin am 25.07.2014 scheiterte trotzdem. Laut Labournet standen Annette Zippel und Andrea Denzer als neue H&M-Store-Managerinnen der Heilbronner Filiale vor Gericht knallhart zu der Entscheidung, dass Ayses Vertrag nicht verlängert werden soll. Als aggressiver Dienstleister auf Arbeitgeberseite zeigte Anwältin Isabel Haug von DLA Piper null verhandlungsbereitsschaft. Die Schriftsätze der Kanzlei DLA Piper verfasst in dieser Sache jedoch Anwalt Volker von Alvensleben. Volker von Alvensleben ist auch im Kündigungsverfahren gegen Damiano Q. für H&M aktiv. Die Kanzlei DLA Piper, “business law firm” mit “full service”, ist mit 4.300 Anwälten und Kanzleien in über 30 Ländern gegenwärtig eine der größten Kanzleien der Welt. Bei Beck-Community wird erwähnt, dass DLA Piper und im speziellen Volker von Alvensleben (Nomos) H&M schon seit langem berät und vertritt.

Als Termin für die nächste Verhandlung wurde der 13.08.2014, 09:00 Uhr, vor dem Heilbronner Arbeitsgericht anberaumt. Hier wird über die einstweilige Verfügung entschieden, ob Ayse weiter arbeiten darf, bis am 11.11.2014 über die Entfristungklage entschieden wird. Aufrufe zu solidarischen Aktionen finden sich auf der ver.di-Seite “Team Ayse”.

Aktuelle Infos finden sich auch in den Posts der facebook-Gemeinschaft H&M Betriebsräte unterstützen.

Quelle: arbeitsunrecht.de

Ayse muss bleiben! ver.di ruft zu Protestaktion vor dem Arbeitsgericht auf

Am Freitag, 25.07.2014: Auf nach Heilbronn zum Arbeitsgericht! Paulinenstraße 18. Kundgebung ab 14 Uhr. Gerichtsverhandlung ab 15 Uhr. Deine Unterstützung zählt!

H&M ist in der Vergangenheit wiederholt durch betriebsratsfeindliche Aktivitäten aufgefallen.Hierzu zählen Mobbing, Schikanen, Kündigungen oder Amtsenthebungen von Betriebsratsmitgliedern. H&M verhindert und behindert demokratische Strukturen im Betrieb und bekämpft diese, da kritische Meinungsbildung nicht erwünscht ist. Es fällt auf, dass H&M systematisch und methodisch gegen Betriebsräte vorgeht, und sich hierbei von Elementen des „Union Busting“ bedient.

Die Betriebsrätin Ayse ist seit 2012 in der H&M Filiale in der Stadtgalerie Heilbronn beschäftigt.Im August 2013 wurde sie in den erstmals gegründeten Betriebsrat gewählt und seit März 2014 ist sie die Betriebsratsvorsitzende. Sie engagiert sich sehr für ihre KollegInnen. Außerdem beteiligte sich Ayse als engagierte Gewerkschafterin an den erfolgreichen Kämpfen der Gewerkschaft ver.di gegen massive Verschlechterungen des Tarifvertrags.

Zu den Erfolgen des Betriebsrats der H&M Filiale zählen sowohl Entfristungen mehrerer befristeter KollegInnen als auch soziale Arbeitszeitregelungen, vor allem für die beschäftigten Mütter in der Filiale. Die vielen und vor allem großen Erfolge des Betriebsrats innerhalb kürzester Zeit, scheinen H&M sehr zu stören, weshalb der Betriebsrat durch die Entlassung seiner Vorsitzenden erheblich geschwächt und zum Schweigen gebracht werden soll.

Aus diesem Grund ruft die Gewerkschaft ver.di, Arbeitnehmer aller Branchen und alle Bürger auf, dieses skandalöse Verhalten von H&M aufs schärfste zu verurteilen und sich der Beedigung des Arbeitsverhältnisses der Betriebsratsvorsitzenden der Heilbronner Filiale von Hennes & Mauritz entgegenzustellen.

Am kommenden Freitag, 25.07.2014, findet eine Verhandlung vor dem Heilbronner Arbeitsgericht statt, um festzustellen, dass das befristete Arbeitsverhältnis der Betriebsrätin nicht durch Ablauf der Befristung geendet hat. Zudem versucht die Arbeitnehmervertreterin mit Unterstützung von ver.di einen  Weiterbeschäftigungsanspruch per einstweilige Verfügung durchzusetzen, um ihr Amt als Betriebsrat weiterhin wahrnehmen zu können.

Kommt alle am Freitag zum Arbeitsgericht nach Heilbronn!

Die Kundgebung beginnt ab 14 Uhr.

Danach Verhandlung ab 15 Uhr.

 

Fall Ayse sorgt für zunehmende Öffentlichkeit

Artikel aus der „Junge Welt“ vom 22.07.2014

Betriebsrätin soll gehen

Ver.di-Jugend protestiert für Weiterbeschäftigung: In
Ver.di-Jugend protestiert für Weiterbeschäftigung: In einer Heilbronner Filiale der Modekette Hennes & Mauritz soll der Vertrag einer Betriebsrätin nicht verlängert werden (Heilbronn, 3.7.2014)

Hennes & Mauritz will eine konsequente Belegschaftsvertreterin loswerden. So jedenfalls sieht es die Gewerkschaft ver.di, die eine Solidaritätskampagne für die Betriebsratsvorsitzende einer Heilbronner Filiale der Textilkette gestartet hat. Ihr befristeter Arbeitsvertrag läuft am Donnerstag aus und soll nicht verlängert werden, obwohl das zuvor mündlich zugesagt wurde. »An diese Zusage kann sich plötzlich niemand mehr erinnern«, berichtete ver.di-Sekretär Thomas Müssig vergangene Woche gegenüber junge Welt. Für ihn ist klar: Ayse, wie die Betroffene mit Vornamen heißt, soll wegen ihres Engagements in Gewerkschaft und Betriebsrat geschaßt werden.

»Für die Nichtverlängerung des Vertrags gibt es keinen Grund – jedenfalls keinen anderen als Ayses Einsatz für die Belegschaft«, betonte Müssig. Stets sei ihr von Vorgesetzten eine gute Arbeitsleistung bescheinigt worden. Und Personal werde in der Filiale in der Heilbronner Stadtgalerie dringend gebraucht. Es werde aber niemand eingestellt, damit sich Ayse nicht auf die angebotene Stelle bewerben kann, ist der Gewerkschafter überzeugt. »Das heißt, das Unternehmen nimmt die Überlastung der Belegschaft in Kauf, nur um Ayse aus dem Betrieb zu kriegen.«

In der Tat sprechen die Vorfälle der vergangenen Monate für diese These. Nur unter großen Schwierigkeiten hatten die H&M-Beschäftigten in der Heilbronner Stadtgalerie im August vergangenen Jahres erstmals einen Betriebsrat gewählt. Zunächst habe das Management in Einzelgesprächen versucht, die Kollegen von der Wahl abzubringen, sagte Müssig. Als das nicht fruchtete, hätten sich alle wählbaren Führungskräfte ebenfalls aufstellen lassen, wodurch eine Personenwahl verhindert wurde, da einige Beschäftigte nicht ein- und denselben Wahlvorschlag mit den Führungskräften stehen wollten.

Zu einem Eklat kam es am Tag der Abstimmung selbst: Die Geschäftsleitung wollte einen Wahlbeobachter der Gewerkschaft des Hauses verweisen und rief die Polizei. Ver.di beharrte auf dem Zugangsrecht zum Betrieb und schaltete den H&M-Gesamtbetriebsrat ein. Schließlich sorgte die Hamburger Deutschland-Zentrale der Textilhandelskette dafür, daß der Gewerkschafter – selbst Betriebsrat einer Stuttgarter H&M-Filiale – bleiben konnte. Die Liste, auf der auch Ayse kandidierte, entschied die Wahl klar für sich.

Doch die Betriebsratsgegner gaben keine Ruhe. Sie reichten eine Klage auf Wahlanfechtung ein und argumentierten mit Formfehlern – von denen paradoxerweise die Liste der Führungskräfte profitiert hatte. Nach einer Niederlage in erster Instanz legte der Betriebsrat beim Landesarbeitsgericht Beschwerde ein. Zu einem rechtskräftigen Urteil kam es nicht, da sich beide Seiten im Vorfeld des Gerichtstermins gütlich einigten.

»Die Unternehmensleitung hat dem Betriebsrat von Anfang an Steine in den Weg gelegt«, kritisierte Müssig. Viele seiner grundlegenden Rechte habe sich das Gremium erst langwierig erkämpfen müssen. Selbst gegen öffentliche Beschimpfungen und Beleidigungen von Betriebsratsmitgliedern sei das Management nicht eingeschritten. »Wenn jemand zu spät kommt, gibt es sofort eine Abmahnung. Da wird durchgegriffen, aber wenn es um die Rechte des Betriebsrats geht, rührt das Management keinen Finger«, so der ver.di-Mann.

Trotz der Widrigkeiten hat der Betriebsrat einiges für die Beschäftigten erreicht. Die Dienstpläne seien verbindlicher, die Arbeitseinteilung gerechter geworden, berichtete Müssig. Außerdem habe der Betriebsrat bessere Arbeitszeitregelungen für Eltern und Alleinerziehende, mehr Arbeitsstunden für Teilzeitbeschäftigte, Höhergruppierungen und die Zahlung einer tariflichen Sozialzulage durchgesetzt. »Der Betriebsrat hat in kurzer Zeit viel für die Kolleginnen und Kollegen erreicht – genau das ist dem Arbeitgeber offenbar ein Dorn im Auge.«

Das Unternehmen wollte sich auf jW-Nachfrage mit Verweis auf ein laufendes Verfahren nicht zu dem Fall äußern. Eine Sprecherin teilte lediglich mit, von den rund 400 Filialen hätten 113 einen Betriebsrat: »Die Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und Unternehmen ist in der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle vertrauensvoll und konstruktiv, denn H&M schätzt engagierte Betriebsräte.«

Ver.di-Sekretär Müssig – der selbst jahrelang bei H&M als Betriebsrat tätig war – sieht das anders. In der Vergangenheit sei das Unternehmen immer wieder durch einen harschen Umgang mit engagierten Beschäftigtenvertretern aufgefallen. Auch die Nichtverlängerung von Ayses Vertrag sieht er in diesem Zusammenhang. »Das war offensichtlich eine politische Entscheidung von oben«, ist der Gewerkschafter überzeugt. Für Ayses Klage auf Weiterbeschäftigung sieht er recht gute Chancen. So habe das Bundesarbeitsgericht kürzlich in einem ähnlichen Fall entschieden, daß das Auslaufen des befristeten Arbeitsvertrags aufgrund des Engagements im Betriebsrat eine unzulässige Benachteiligung darstelle. Anders als bei einer Kündigung liegt die Beweislast allerdings nicht beim Unternehmen, sondern bei der Beschäftigten.

Gütetermin am Freitag, dem 25. Juli um 15 Uhr, Arbeitsgericht Heilbronn, Paulinenstr. 18

Ayse wiedergewählt!

Die Belegschaft der Heilbronner H&M-Filiale in der Stadtgalerie hat ein deutliches Zeichen gesetzt: Ayse erhielt über 70 Prozent aller abgegebenen Stimmen und wurde darüber hinaus in ihrem Amt als Vorsitzende bestätigt. Der Rückhalt ihrer Kolleginnen und Kollegen ist damit so stark wie nie zu vor. Eine große Schlappe für H&M, die nach wie vor versuchen, die Betriebsrätin loszuwerden.

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Aktionen erreichen Aschaffenburg am Untermain

Die Solidaritätskampagne um die Entlassung der Betriebsratsvorsitzenden der Heilbronner H&M-Filiale erreicht die Stadt Aschaffenburg am Untermain. Dort haben Grundschulkinder vor der City-Galerie, in der H&M eine weitere Filiale unterhält, Unterschriften für die Weiterbeschäftigung der Arbeitnehmervertreterin gesammelt. Das ist gelebte Zivilcourage, von der sich manche Erwachsene ein fette Scheibe abschneiden können!

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70 streikende Busfahrer stürmen H&M-Filiale!

Auch die Streikenden des privaten Omnibusgewerbes haben H&M in Schwäbisch Hall die Meinung zu dem Rauswurf der Betriebsratsvorsitzenden Ayse gesagt! Wir stehen nicht nur Ayse in Heilbronn zur Seite, nein wir sind überall und viele! Gemeinsam kämpfen ! Gemeinsam sind wir stark!

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H&M will Betriebsrätin zum Schweigen bringen

ver.di Jugend Heilbronn setzt sich für gekündigte Betriebsrätin ein

Mit einer öffentlichen Aktion am 03.07.2014 vor der „Stadtgalerie“ in Heilbronn hat die ver.di Jugend die Beendigung des Arbeitsverhältnisses der Betriebsrätin Ayse durch H&M skandalisiert. Der stumme Protest vor dem Einkaufszentrum, in dem auf H&M seine Filiale betreibt, wurde von Kunden und Passanten rege wahrgenommen.  Die Reaktionen waren vielfältig. Vom bloßem Kopfschütteln und Unverständnis über das anstößige Vorgehen von H&M bis hin zu lautstarker Empörung und Beschimpfung des Unternehmens und seiner Praktiken.  Mehrere Hundert Unterschriften konnten daher innerhalb kürzester Zeit gesammelt werden. Mit diesen Unterschriften wird die Geschäftsführung von H&M aufgefordert, die Betriebsratsvorsitzende der Heilbronner Filiale weiter zu beschäftigten.

Weitere Aktionen folgen!

Wir sind viele. Wir sind überall. Wir vergessen nicht.DSC_7480

 

Der Gesamtbetriebsrat von H&M fordert Ayses Weiterbeschäftigung

Hamburg, 24.06.2014

 

Solidaritätserklärung des GBR H&M

 

Der Gesamtbetriebsrat ist entsetzt. Seit Jahren müssen wir von Betriebsratsbehinderungen Kenntnis nehmen. Auch den Fall von Ayse empfinden wir als klare Betriebsratsbehinderung.

Ayse hat sich trotz ihres befristeten Vertrages entschieden für den Betriebsrat in ihrer Filiale zu kandidieren. Sie wurde von der Belegschaft gewählt.

Sie hatte die Zusage auf eine Folgebefristung ihres Vertrages. Diese Folgebefristung soll nunmehr verkürzt werden. Es gibt klare Gerichtsentscheidungen, die für Ayse sprechen.

Zitat: www.hm.com :

„Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Beziehungen

Wir haben Achtung vor jedem Einzelnen. Dies gilt für alle Bereiche der Beschäftigung – von gerechter Entlohnung, vernünftigen Arbeitszeiten und Gewerkschaftsfreiheit bis hin zur Chancengleichheit bei der Weiterentwicklung innerhalb des Unternehmens.“

 

Wir fordern H&M auf, sich an die eigenen öffentlichen Aussagen zu halten.  Ayse  ist umgehend ohne Wenn und Aber weiter zu beschäftigen.  Es ist der Wille der Wähler zu respektieren, denn diese haben Ayse gewählt.

 

H&M kann’s nicht lassen…

… Betriebsräte zu bekämpfen!

Eine Betriebsrätin kämpft um Ihren Arbeitsplatz

Zur Vorgeschichte

Ayse ist Betriebsrätin bei H&M in der Stadtgalerie Heilbronn. Ihre Filiale hat letzten Sommer (August 2013) erstmalig einen Betriebsrat gewählt. Vor der Wahl wurde ihr Arbeitsvertrag mit einem neuen Sachgrund weiterbefristet. Hierzu muss man erklären, dass sie vor Abschluss ihres Studiums wieder bei H&M angefangen habe zu arbeiten. Damit klarer wird, was damit gemeint ist, hier eine kurze Auflistung ihrer Beschäftigung in diesem Unternehmen:

–       April 2008 bis Ende Dezember 2009 unbefristetes Arbeitsverhältnis bei H&M

–       Anfang Dezember 2012 bis August 2013 erste Sachgrundbefristung (Elternzeit einer Kollegin)

–       August 2013 bis 23.07.2014 zweite Sachgrundbefristung (Elternzeit einer anderen Kollegin)

Die Pause zwischen ihrer Kündigung im Dezember 2009 und Wiedereintritt im Dezember 2012 war nicht länger als drei Jahre, wodurch sie nur mit einer Sachgrundbefristung wiedereingestellt werden konnte, um wirksam befristet beschäftigt werden können. Ihr Arbeitgeber (AG) hat diese Sachgrundbefristung damit begründet, dass sehr viele in der Filiale mit einer Befristung eingestellt seien, weshalb es unfair gegenüber diesen wäre, wenn sie Ayse unbefristet einstellen würden. Dieselbe Begründung hat er auch bei der zweiten Sachgrundbefristung genannt. Ihr war die Befristung zu diesem Zeitpunkt egal, da sie nicht vor hatte, sehr lange in diesem Unternehmen zu bleiben, da sie auf Lehramt studiert hatte und nur die Zeit bis zu ihrem Referendariat überbrücken wollte.

Nachdem Ayse jedoch in den Betriebsrat gewählt wurde, fand sie sehr schnell Gefallen an diesem Ehrenamt und ging förmlich darin auf. Es bereicherte sie auf einer anderen Ebene, wodurch sie sich gegen ihr Referendariat entschied und beschloss weiterhin für ihre KollegInnen zu kämpfen. Dieser Einsatz und ihr Engagement waren H&M jedoch ein Dorn im Auge. Ihr war bewusst, dass sie sich damit womöglich selber ins Fleisch schneide – es liegt jedoch nicht in ihrer Natur, tatenlos bei Ungerechtigkeiten zuschauen zu können – da sie wusste, dass man ihr sicherlich keine Weiterbefristung anbieten würde. Diese Befürchtung war nicht weit hergeholt, da bei jeder Einstellung, die der AG vornehmen wollte, ihre Befristung kein Thema war. Der BR bekam es durch diese Neueinstellungen zwar hin, die Befristungen von ihren KollegInnen zu verlängern, ihre hingegen blieb auf der Strecke. Als es nun Zeit wurde, auch ihre Weiterbe- bzw. Entfristung auszuhandeln, schafften es ihre BR-Kollegen für sie eine zweijährige Weiterbefristung auszuhandeln, da eine unbefristete Beschäftigung für H&M nicht in Frage kam. Selbst ihre Abteilungsleiterin konnte, lt. ihrer eigenen Aussage, nicht verstehen, wieso Ayses Filialleiter (FL) sie nicht unbefristet einstellen wollte, da sie ja eine sehr gute Mitarbeiterin sei. Diese zweijährige Weiterbefristung wurde ihr im Februar 2014 zugesagt, ihr FL als auch ihre Abteilungsleiterin haben ihr zu dieser sogar persönlich gratuliert, den neuen Vertrag hatte sie jedoch nicht vorgelegt bekommen. Nachdem sie  wochenlang ihrem neuen Vertrag hinterhergerannt war und immer wieder fadenscheinige Ausreden zu hören bekam, war es Ende April dann soweit, dass Ayse ihren Vertrag unterschreiben sollte.

 

Zum Problem

Ayse wurde in diesem Gespräch, nicht wie abgesprochen und versprochen, eine zweijährige befristete Weiterbeschäftigung angeboten, sondern lediglich bis November 2014! Das sind vier Monate, statt zwei Jahre! Als sie ihren FL darauf hinwies, dass das nicht ihrer Vereinbarung entspreche, versuchte er sich wieder mit fadenscheinigen Erklärungen herauszureden und blieb stur. Ayse lehnte dieses Angebot ab.

Eine Woche nach diesem unglaublichen Angebot teilte ihr der FL mit, dass man ihren Vertrag aufgrund der Ablehnung dieser dreimonatigen Weiterbefristung, auslaufen lassen werde.

Hintergrund

Die Wahl des Betriebsrats wurde durch überwiegend arbeitgebernahe Arbeitnehmer (Führungskräfte) angefochten. Der AG versuchte die Beschäftigten in der Filiale gegen den amtierenden BR aufzuhetzen, d.h. sie standen seit der Wahl unter ständigem psychischem Druck. Mittlerweile haben aber einige der Wahlanfechter, (manche von ihnen, haben sich selber zur Wahl aufgestellt) sogar ihren Antrag zurückziehen wollen, da sie mittlerweile erkannt haben, dass ihre Frustration und Naivität von H&M ausgenutzt wurde, weshalb der BR den Zeitpunkt für richtig erachtet hatte, zurückzutreten und einen neuen Wahlvorstand einzusetzen, damit dieser die Neuwahlen einleitet, um ein besseres Betriebsklima herbeizuführen.

Seit März 2014 ist Ayse die neue Vorsitzende des Betriebsrats, da die ehemalige ihr Amt, aufgrund des psychischen Drucks, der durch alle Mittel auf den BR ausgeübt wurde, niedergelegt hat. Seitdem will man Ayse, zumindest haben alle BR-Mitglieder und einige weitere Beschäftigte das Gefühl, erst recht loswerden. Selbst die Gesamtbetriebsratsvorsitzende von H&M hat bei einem Gespräch mit der Geschäftsleitung in Hamburg nichts erreichen können. Im Gegenteil behauptet nun die Geschäftsleitung, dass es wohl einen Kommunikationsfehler zwischen dem FL und dem BR gab, da eine zweijährige Weiterbefristung nie zur Debatte stand – davon wäre nie die Rede gewesen. Damit möchte man dem BR unterstellen, dass er sich diese zwei Jahre nur ausgedacht hätte! Die Gespräche wurden jedoch vom BR protokolliert, selbst bei dem Gespräch als man ihr die viermonatige Weiterbefristung angeboten hatte, meinte ihr FL, dass die Sachlage für die Abmachung von zwei Jahren nicht mehr gegeben sei. Also wusste er bis vor ein paar Wochen noch von diesen zwei Jahren! Mittlerweile ist, so scheint es zumindest, eine kollektive Amnesie auf Arbeitgeberseite aufgetreten. Es ist aus diesen Handlungen klar zu erkennen, dass hier eine zu sehr engagierte Betriebsrätin beseitigt werden soll. Denn als Arbeitnehmerin konnte man ihr fachlich überhaupt nichts vorwerfen, da sie auch hier sehr engagiert arbeite. Nun wird aber Ayse als Arbeitnehmerin angegriffen, weil H&M die Betriebsrätin Ayse loshaben möchte.

Gegenwehr

Inzwischen hat Ayse eine Entfristungsklage eingereicht, der Gütetermin soll bis dato am 25.07.2014, 15:00 Uhr, vor dem Arbeitsgericht Heilbronn stattfinden. Erfahrungsgemäß wird sich H&M von einer juristischen Auseinandersetzung nicht beeindrucken lassen.

Vielmehr muss öffentlich Druck aufgebaut werden – intern stehen zahlreiche ihrer KollegInnen, die erkannt haben, dass sie ihre BR-Arbeit zu gut mache und H&M sie deswegen loswerden will, solidarisch zusammen und tragen T-Shirts mit der Aufschrift „Finger weg von unserer Betriebsrätin“. H&M reagiert hingegen mit Schweigen oder kommentiert die Fragen, warum man Ayse nicht weiterbeschäftigen möchte, obwohl enormer Personalmangel in der Filiale herrsche, dass man sich nicht unter Druck setzen lassen werde. Die Entscheidung sei getroffen und die Beschäftigten sollen es akzeptieren!

Anlässlich der laufenden Fussball-WM erteilten die Beschäftigten H&M für dieses brutale und hinterhältige Faul an ihrer Betriebsrätin Ayse die „rote Karte“ während der letzten Betriebsversammlung. Gefolgt von einem Pfeifkonzert. Ein Vertreter der Gewerkschaft ver.di kündigte weitere Aktionen an. „Es wird keine Ruhe geben, solange die Betriebsrätin Ayse nicht weiterbeschäftigt wird!“ hieß es.

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